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Jusos bei der Soli-Demo für Rosenheimer Flüchtlinge

Dienstag, 9.Dezember 2014 von Marcel

Wir sind aktiv.

Am Nikolaustag fand in Rosenheim eine Solidaritätskundgebung für Flüchtlinge in der Rosenheimer Innenstadt statt, an der über 100 Personen teilnahmen. Organisiert wurde sie von der Gruppe “Refugees Welcome”. Die Demo begann an der Luitpoldhalle und führte, mit einer Zwischenstation in der Münchener Straße, zum Rathaus.

Von uns Jusos waren dabei (auf dem Foto von links nach rechts): Karl-Heinz Loeser, Nicola Zmavc, Merve Altintug, Jennifer Joachim und Marcel Görmann.

Vor dem Salingarten hielt Marcel im Namen der Jusos am Mikro einen Redebeitrag (siehe unten), der unsere Position in der Asyl-Debatte zusammenfasst.

Mehr Fotos hier im Artikel von rosenheim24.de: http://www.rosenheim24.de/rosenheim/rosenheim-stadt/demonstration-rosenheim-fluechtlinge-luitpoldhalle-4513331.html

Der RFO-Beitrag über die Demo: http://video.telvi.de/videos/54/2014/50/1/1fe7517d8edb5a7503bf2dfeb1fd5884.mp4

Juso-Rede bei der Demo:

“Wir Jusos nehmen heute an dieser Demo teil, nicht um sie parteipolitisch zu vereinnahmen, sondern weil wir ein sichtbares Zeichen für eine Willkommenskultur in Rosenheim setzen wollen. Und um unsere Solidarität mit den Flüchtlingen zum Ausdruck zu bringen – aber auch mit den Flüchtlingspaten, die mit so viel Zeit und ehrenamtlichen Engagement konkrete Hilfe leisten. Ihr schafft damit einen großen Beitrag zu einer solidarischen Stadtgesellschaft und das ist, wie man in der Weihnachtszeit auch sagen kann, gelebte Nächstenliebe.

Für uns Jusos ist klar, dass wir hier in Rosenheim, in Bayern oder in Deutschland nicht auf einer Insel der Seligen leben. Die Konflikte in der Welt um uns herum, die so viele Millionen Menschen zur Flucht und Migration zwingen, stammen nicht zuletzt aus unserem Wirtschaftssystem. Der Wohlstand unserer Gesellschaft baut sich auf Kosten anderer auf.
Afrika ist reich an Bodenschätzen wie Erdöl, Diamanten und Kupfer, doch die Profite streichen ausländische Unternehmen und korrupte Eliten ein, sie landen nicht bei der Bevölkerung. Und der extremistische Islamismus, der in Syrien und im Irak, oder auch in Nigeria, Terror und Angst verbreitet, ist auch eine Reaktion auf die imperialistische Politik des Westens, auf die jüngsten Kriege und unsere Gier nach Öl. Wir können nicht unsere Augen davor verschließen, was wir mit unserer Art zu leben in der Welt angerichtet haben und so tun, als wenn uns all das nichts angeht, wenn Tausende im Mittelmeer ertrinken.

Niemand verlässt seine Heimat, und niemand verlässt seine Familie, weil es ihm dort gut geht. Alleine schon diesen Satz zu verinnerlichen, ist der Beginn für unsere Solidarität. Nämlich wenn wir uns darum bemühen zu verstehen, was in den Menschen vor sich geht, die sich auf den oftmals lebensgefährlichen Weg zu uns machen.

Im Jahr 2013 gab der Bund 1,5 Milliarden Euro für Asylbewerberleistungen aus. Setzen wir diese Zahl in Relation zum Verteidigungshaushalt: Dort wurden letztes Jahr 32 Milliarden Euro reingepumpt. Rund 20 Mal so viel für Rüstung und Militär als für eine menschenwürdige Versorgung von Flüchtlingen. Dennoch verkündet CSU-Innenminister Joachim Herrmann, offenbar nachdem er genau diese Parole wortwörtlich auf einem NPD-Plakat gelesen hat, in Rosenheim: „Wir sind nicht das Sozialamt der Welt!“ und holt sich damit Applaus an den Stammtischen ab. Aber er hat ja recht: Wir sind tatsächlich nicht das Sozialamt der Welt, denn wirklich gefordert sind nicht wir, sondern die Nachbarstaaten in den Krisenregionen wie Libanon und Jordanien, die Millionen Flüchtlinge aufnehmen. Diese kleinen Staaten sind an der Grenze der Belastbarkeit – wir noch lange nicht.

In Rosenheim ist leider dennoch ein nennenswerter Teil der Bevölkerung der Unterbringung von Flüchtlingen in der Stadt gegenüber negativ eingestellt.
Besonders auf Facebook wurden unzählige, auch offen fremdenfeindliche Kommentare abgegeben, etwa wenn Mitmenschen dort als „Asylantenpack“ oder „Gesindel“ bezeichnet werden. Bedauerlicherweise häufig von sozial Schwächeren, wie Alleinerziehenden oder Geringverdienern, die selbst auf Solidarität angewiesen sind. Zum ersten Mal seit den Balkan-Kriegen in den 90er-Jahren sind wir asylpolitisch wieder etwas mehr gefordert – und schon treten alte Reflexe wieder auf. Ängste fressen Seelen auf: Statt nach oben zu schauen, wo das Geld umverteilt wird, wird leider von zu vielen weiter nach unten getreten, aus der unbegründeten Angst heraus, dass ihnen Leistungen gekürzt oder vorenthalten werden. Aufgehetzt von Lügen und falschen Gerüchten, die im Netz verbreitet werden und Misstrauen und Feindschaft säen.

Bauen wir den Menschen, die bei uns leben wollen, die Brücken, um sich voll bei uns zu integrieren. Dazu müssen sie unsere Sprache richtig lernen können, dazu müssen ihre Berufsabschlüsse und auch ihre Führerscheine in Deutschland anerkannt werden und ihnen muss schnellstmöglich der Weg in den ersten Arbeitsmarkt eröffnet werden. Diese Menschen sind eine Bereicherung für unsere alternde Gesellschaft. Wir Jusos sagen: Das Boot ist noch lange nicht voll.”

 

2 Kommentare

  1. Martin M. sagt:

    Vielen Dank noch einmal für euren Beitrag, vielleicht kann man in Zukunft die Zusammenarbeit noch intensivieren, sowohl mit den JUSOS als auch mit älteren Genossen/Genossinnen aus Stadt und Land :-)

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